6. April 2017

Vierzehn Druckseiten, der Druck freilich im gesamten Band sehr großzügig, umfasst Stephan Hermlins Gedicht „Stalin“ in seinem 1952 veröffentlichten Band „Der Flug der Taube“. Wer auf der Suche ist, den zu Lebzeiten in der Rolle als Grandseigneur der DDR-Literatur fast aufgehenden Hermlin final zu diskreditieren, muss nicht auf die Enthüllungen zurückgreifen, die Karl Corino mit ziemlich heißer Nadel zum Buch gebläht hat, Hermlins Lebenslügen betreffend. Längst wissen wir, dass andere Berühmtheiten mindestens ebenso polierten und umdeuteten, verschwiegen oder hinzu dichteten wie Hermlin. Wer einst seine Unterschrift unter eine Huldigung an Hitler setzte als ein deutscher Schriftsteller, ist längst mehr als rehabilitiert, wenn er nur halbwegs gute Literatur machte. Selbst bekennende Faschisten bekommen längst wieder viel Feuilleton-Platz, wenn sie nur die richtigen Namen haben. Vor 20 Jahren starb Hermlin, eine der Todesursachen: Verbitterung.


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