7. Juni 2017

Hemingway und andere nannten sie Dotty und auf manchen Bildern sieht sie ein bisschen aus wie Giulietta Masina, auf jeden Fall war sie klein, sehr klein, für die Zulassung zu einer Fahrschule in manchen Ländern geradezu untermaßig. Umso größer, wenn man den vielfältigen Überlieferungen trauen kann, war ihr Mundwerk, eine Kombination, die gar nicht so selten ist, bei kleinen Männern soll der Ehrgeiz, mangelnde Länge durch anderweitige Größe auszugleichen und unsichtbar zu machen, fast ein Syndrom sein. Also: vor 50 Jahren starb in einem Hotel Dorothy Parker, von der es überall heißt, sie solle eine gefürchtete Literatur- und Theaterkritikerin gewesen sein, deren wenige Kurzgeschichten einen Stil geprägt haben sollen, deren Gedichte jetzt erstmals auf Deutsch und Englisch komplett erschienen sind, was hiesigen Kritikern gute Gelegenheit gibt, Kritikvermeidung durch Anekdotenverbreitung zu treiben. Dorothy Parker war eine große amerikanische Säuferin.


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