Heinz Knobloch 100

Das hätte eine Rede werden können. Ohne Publikum, denn solch eines brächte mir die Verlegenheit, es anzureden. Man sagt nicht mehr: Meine Damen und Herren, weil das im öffentlich-rechtlichen Verständnis zu viel Diskriminierungs-Potential enthält. Wenn man aber über Menschen reden will, die in ihrem vergangenen Leben Worte und Bezeichnungen wie selbstverständlich benutzt haben, die heute in etlichen biologisch und geistig nachwachsenden Köpfen Augen zum Rollen bringen, die Atmung beschleunigen bis zur Schnapp-Grenze und dann die innerlich fristlose Kündigung aussprechen, ein N-Wort zum Beispiel oder ein Z-Wort, obwohl die in Rede Stehenden mit keinem Zellkern je Rassisten waren und keine Nanosekunde lang so dachten, dann kommt man als Redner in größere Schwierigkeiten. Heinz Knobloch wäre heute 100 Jahre alt. Es scheint, als ob er 1990, wie die ganze kleine DDR, nach Paragraph Dingsbums, der Bundesrepublik Deutschland, die im Namen die Bundesrepublik, wo immer es ging, verdrängt hatte, beigetreten ist. Der Westen war einfach Deutschland, der Osten Zone. Phasenweise war Zone gleich Pankow, worüber Knobloch, neben vielem, auch schrieb. Und zwar mit wenig Begeisterung über die politische Miniaturisierung eines ganzen Ländchen auf einen bedeutungsarmen Berliner Ortsteil, in dem Besserverdienende und Künstler siedelten, über deren gegenseitige Nähe Knobloch ganz sicher eher selten nachgedacht hat.

Wenn ich Knobloch zum gesamtdeutschen Literatur-Phänomen gedeutet finde, dann kann ich eine gewisse Entrüstung nicht gänzlich unterdrücken. Und ich finde Sätze, um das gleich hinter mir zu haben, die in aller Arglosigkeit ihres selbstverständlich tief westdeutschen Denkens und Sehens abgrundfalsch sind. Einer lautet: „Einer breiteren Öffentlichkeit wurde Heinz Knobloch vor allem durch sein Buch „Herr Moses in Berlin“ bekannt, das 1979 erschien.“ Nein, um Himmels Willen: Nein. Als 1979 das genannte Buch erschien, war Heinz Knobloch bereits bekannt wie der bunte Hund aus dem Sprichwort. Woche für Woche hatte er ein Millionen-Publikum – potentiell, denn ob ihn alle lasen, die ihn in der Hand hielten – weiß kein Mensch. Dieses Millionenpublikum bestand aus DDR-Bürgern, die die „Wochenpost“, deren Redaktion Knobloch seit ihrer Gründung 1953 angehörte, regelmäßig lasen. Die Euphoriebremse will ich nicht lange spielen, aber ich weiß aus vielfacher Erfahrung, dass Menschen die „Wochenpost“ zuerst wegen der Kleinanzeigen und der von Rudolf Hirsch verfassten Gerichtsberichte lasen. Die breitere Öffentlichkeit, die gemeint ist, die West-Öffentlichkeit, erfuhr vom Herrn Moses außerdem erst 1981, denn da erschien für jenseits des ferrometallischen Vorhangs die Lizenzausgabe. Die breitere Öffentlichkeit war vermutlich leicht erstaunt: ein Autor aus Pankow, nie mit offenen Briefen oder geschlossenen Protesten aufgefallen?

Da gab es ganz andere, die so lange vor den versteckten Kameras der Kampfgenossen von der sehr verdeckten Front auf und nieder gehüpft waren, bis dort endlich einer sagte: nun lasst uns eine Akte über ihn anlegen, die ihm später aus seiner Bedeutungslosigkeit hilft. Und also geschah es. Heinz Knobloch brauchte für seinen Erfolgsweg offenbar wenig Rückenwind. Vielleicht ganz am Anfang. Vielleicht musste er sich erst beispielhaft im ideologischen Klassenkampf bewährt und auch einmal eine waschechte Wahlkampfbroschüre für die Kandidaten der Nationalen Front verfasst haben, ehe er in sein eigentliches Metier wechseln durfte. Der ideologische Klassenkampf findet sich auf den
stolzen 336 Seiten „Der bakteriologische Krieg“ aus dem Jahr 1955. Der Wahlkampf auf den deutlich bescheideneren 30 Seiten von „Ein Vater erzählt – und ein Sohn stellt Fragen“ von 1958. Nie stand der Autorenname Knobloch bescheidener und fast unauffällig gedruckt als in dieser Broschur: auf der allerletzten Seite ganz unten. Mein etwas lädiertes Exemplar entstammt der Bibliothek zur Geschichte der DDR der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Adenauerallee 8 in 53113 Bonn, versehen mit dem Stempel: Ausgeschieden. Es hatte die Signatur A 020608. Es könnte anzeigen, dass die Geschichte der DDR nach deren Abgang aus der Geschichte in die Gesamtgeschichte der Bundesrepublik ziemlich radikal an Bedeutung verlor.

Was unterm Strich auch stimmt, unterm Strich diesmal freilich nicht verstanden als: im Feuilleton. Die letzte noch zu Lebzeiten von Heinz Knobloch erschienene Feuilleton-Sammlung war seitens der Herausgeber Gunter Reus und Jürgen Reifahrt eher Neukunden-Akquise als Präsentation wenigstens einiger bisher unveröffentlichter Arbeiten. Aber sie begann in der Einleitung mit dem Zitat einer anonymisierten Leserin. „Die Feuilletons von Herrn Knobloch las ich besonders gern. Vor allem das, was zwischen den Zeilen stand.“ Das klingt wie Werbung für Heinz Knobloch und soll sicher auch so klingen. Zitiert ist es außerdem aus keinem Original, sondern aus dem Buch von Klaus Polkehn „Das war die Wochenpost. Geschichte und Geschichten einer Zeitung“, Ch.Links Verlag Berlin 1997. Die gleiche Marianne S. bekannte auch, die Seiten 4 und 5 wegen der dortigen Lobhudeleien nicht gelesen zu haben. Nun waren das aber in den Anfängen der Wochenpost genau die Seiten, für die Heinz Knobloch arbeitete und aus deren Geist „Der bakteriologische Krieg“ entstand. Dem war das aus Moskau stammende Motto vorangestellt: „Alle ehrlichen Menschen, denen die Wahrheit über den Bakterienkrieg bekannt ist und die sich Sorgen um das Wohl der Menschheit machen, halten es für eine Frage der Ehre und des Gewissens, ihren Mitmenschen diese Wahrheit mitzuteilen.“ Knobloch war 1955 offenbar im Besitz von Wahrheit, Ehre und Gewissen.

Im einzig je erschienenen Lexikon „Schriftsteller der DDR“ (Leipzig 1974) ist der Buch-Erstling im Kleingedruckten als Dokumention ausgewiesen. Das Buch führt eine solche Bezeichnung nicht. Es ist in zwölf Kapitel aufgeteilt, mit Bildern und Faksimiles ausgestattet und erschienen in einer Startauflage von 6000 Exemplaren. Eine zweite Auflage hat es nicht gegeben. Interessant ist aber aus heutiger Sicht der Verlag, in dem es erschien: Dietz Verlag Berlin. „Parteiintern wurde der Verlag laut Beschluss des SED-Zentralsekretariats vom 6. Mai 1947 wie eine Abteilung des SED-Zentralkomitees behandelt, unterlag aber wegen der politischen Literatur noch bis 1950 der Zensur durch die sowjetische Militäradministration.“ Nachzulesen bei Christoph Links in „Das Schicksal der DDR-Verlage. Die Privatisierung und ihre Konsequenzen“ (Ch.Links Berlin 2009). Dort ist ebenso festgehalten, die Produkte des Dietz Verlages seien „privilegiert im Volksbuchhandel angeboten (worden), wobei es spezielle Planvorgaben für den Verkauf von Dietz-Literatur gab … Darüber hinaus erfolgte der Vertrieb über 2000 Literaturobleute der SED.“ Gegen Heinz Knobloch sind diese Fakten kaum zu instrumentalisieren, es wäre allerdings auch kein Dienst an ihm, sie zu verschweigen. Außerdem darf angenommen werden, dass in den 50er und frühen 60er Jahren eine Publikation bei Dietz nicht das schlechteste Leumundszeugnis für einen ehrgeizigen Autor war.

Heinz Knobloch durfte, noch ehe er ein eigenes belletristisches Buch veröffentlicht hatte, schon als Herausgeber eines solchen agieren: Gemeinsam mit Reiner Kunze gab er 1960 „Mir gegenüber“ heraus, 40 Feuilletons, darunter sechs eigene, die er dann komplett in seinen ersten ganz und gar eigenen Feuilletonband, „Herztöne und Zimmermannssplitter“, übernommen wurde. Beide Bücher begründeten die bis zum Ende der DDR anhaltende Zusammenarbeit mit dem Mitteldeutschen Verlag Halle (Saale), später Halle-Leipzig. „Herztöne und Zimmermannssplitter“ darf auch als Knoblochs Beitrag zum Bitterfelder Weg gelesen werden. Er selbst und manche seiner Editoren, die später aus seinen Bänden neue Sammlungen kompilierten, umgingen den Erstling auffallend, der dennoch einige Beiträge für spezielle Ewigkeiten enthielt. Dass und warum Reiner Kunze schon aus den Nachauflagen des nächsten Bandes „Die guten Sitten ...“ getilgt wurde, will ich hier nicht neu verbreiten, man kann es bei mir nachlesen. Der allererste Feuilletonband brachte Knobloch nicht nur umgehend den Kunstpreis des FDGB ein. Er wurde auch (höheren Ortes) für fähig gehalten, dem Feuilleton der DDR und damit des real existierenden Sozialismus eine hauseigene Theorie zu unterlegen. Es entstand „Vom Wesen des Feuilletons“, 325 Seiten stark, VEB Verlag Sprache und Literatur Halle (Saale) 1962 und enthielt ansehnliche Abschnitte aus seiner eigenen Diplomarbeit.

Insgesamt darf man wie und mit Heinz Knobloch selbst davon ausgehen, dass ihm seine „Theorie“, die von Beginn bis Ende eher einer Phänomenologie glich, eher missraten als gelungen ist. Gern hat er später erzählt, dass zwei Gutachter, Wieland Herzfelde und Walther Victor, das Manuskript ablehnten, dass es dennoch gedruckt wurde und dass aus beiden Ablehnern später gute Freunde wurden. Vielleicht gräbt eines nahen Tages jemand mit speziellen Archivzugängen aus, wie das funktionierte: Druck trotz zweier sehr renommierter Negativ-Gutachten. Immerhin hat Heinz Knobloch später jede Gelegenheit genutzt, sich gerade nicht als Theoretiker, nicht als Historiker vom Fach, schon gar nicht als Philosoph zu verstehen. Es sind, als er in späteren Jahren schrittweise vom Feuilleton im engeren Sinne zum „Groß-Feuilleton“, wie es etwas unglücklich genannt wurde, übergegangen war, eindrucksvolle, lesbare Sachbücher entstanden, die alle Berlin-Geschichte mit der Vorstellung bisher weitestgehend unbekannter Persönlichkeiten verbanden. Diese Bücher sind interessanterweise heute bekannter als all seine Feuilleton-Sammlungen, die wegen ihrer Vielfalt wie immer die professionellen Deuter überfordern, die nie aus ihrer Haut können und immer dieselben überflüssigen Fragen aufwerfen. Dass Knobloch auch zwei Romane geschrieben hat, darf jetzt beinahe als eine Kuriosität gesehen werden, heute ist er der, der zwischen den Zeilen schrieb.

Um im Bild zu bleiben: sehr viel passt nicht hin zwischen die Zeilen. Man sollte dort weder mehr vermuten noch zu finden suchen. In aller Regel schrieb Heinz Knobloch das, was er sagen wollte, in und nicht zwischen die Zeilen. Und er war findig, er war agil, er war schlitzäugig, er kannte sich aus und die richtigen Leute. Hätte er mehr Romane geschrieben, wären aus ihnen vielleicht Hörspiele, Bühnenstücke, Fernsehfilm-Vorlagen geworden, auch DDR-Autoren lebten keineswegs von Lob und Anerkennung allein, soweit sich diese nicht mit Honoraren und oder Preisen verbanden. Heinz Knobloch kann im „Ensemble der DDR-Literatur“ wie das gern genannt wurde, als es noch solcher Begriffe bedurfte, ein absolutes Alleinstellungsmerkmal für sich beanspruchen, für das es diese Begrifflichkeit freilich noch gar nicht gab. DDR-Schriftsteller mussten keinen Businessplan vorlegen, um an einen überteuerten Kredit heranzukommen. Heinz Knobloch war ganz sicher der Mann innerhalb der DDR-Literatur, der in den meisten namhaften Verlagen des Landes eigene Bücher veröffentlichen konnte, ohne dass sein langjähriger Hausverlag in Halle ihm deshalb die Freundschaft aufkündigte. Nur am Ende der DDR endete die Kooperation abrupt. Anders als etwa die mit dem Buchverlag Der Morgen Berlin, der neu firmierte als Morgenbuch-Verlag. Es ist fast leichter, DDR-Verlage zu nennen, die Knobloch nicht im Programm hatten, als die, die ihn hatten.

Genannt wurden hier bereits Dietz und die beiden Verlage aus Halle. Früh gab es das erste Buch im Berliner Eulenspiegel-Verlag, kein Glanzlicht seines Schaffens, eher eifrige antiamerikanische Propaganda, der Titel „Ein gewisser Reginald Hinz“. Eulenspiegel brachte auch die erste Ausgabe des ersten Romans „Pardon für Bütten“, der später in zweiter Auflage im Verlag der Nation erneut gedruckt wurde. Der Hausverlag der Block-Partei NDPD übernahm auch den zweiten und letzten Roman Knoblochs, „Man sieht sich um und fragt“. Eulenspiegel blieb Knobloch als Herausgeber und Nachwort-Verfasser treu. Vermutlich über Vermittlung durch die einstige Wochenpost-Kollegin Margot Pfannstiel, deren 100. Geburtstag am 18. Juni zu begehen wäre, gelangte Knobloch unter die Fittiche des Verlags für die Frau Leipzig, der über die Zentrag (eine Art von Holding) zum Bestand der SED-Verlage gehörte. „Rund um das Bett“, „Rund um das Buch“, beide Titel mit Aufwand recherchiert und, wenn man sie nicht versucht, so schnell wie möglich zu lesen, um es hinter sich zu haben, vor allem informativ und nicht selten vergnüglich. Dreifach erschien Heinz Knobloch im führenden DDR-Belletristik-Verlag Aufbau (Berlin und Weimar), Herausgeberin Helga Thron wählte aus seinen jeweils bis dahin erschienenen eigenen Sammelbänden aus und bekam von ihm als Bonus bisher nicht in Büchern gedruckte Feuilletons als Zugabe geliefert.

Noch großzügiger bediente Knobloch die Herausgeberin seines einzigen Bandes im Verlag Tribüne Berlin, der als organisationseigener Verlag der Einheitsgewerkschaft FDGB agierte. Renate Bachmann durfte nicht weniger als 16 Feuilletons in die „Handwärmekugeln“ aufnehmen, die laut Verlagskennzeichnung vorher noch in keinem anderen Knobloch-Buch gedruckt wurden. Präsenz in deren Anthologien brachte Knobloch außerdem zum Greifenverlag zu Rudolstadt und zum Verlag Neues Leben Berlin. Wer also mir (und anderen) helfen will in Richtung Vollständigkeit, möge kundtun, ob er etwas von Knobloch bei Reclam, bei Hinstorff oder gar bei Volk und Welt weiß, auch den Militärverlag sollte man nicht von vornherein ausschließen, nur weil Knobloch 1944 ein Deserteur war. Die Broschüre „Schatzkammern aufschließen“, als Ratgeber für Eltern von Kurt Patzwall in der Reihe „Elternhaus und Schule“ des Volk und Wissen Verlags Berlin erschienen, zählt natürlich mit. Immerhin präsentiert sie mit 14 Feuilletons aus fünf verschiedenen Bänden, zwei darunter sogar als Vorabdruck, Heinz Knobloch als nahezu idealen Museumspädagogen. Das Ende der DDR brachte ihn zu weiteren Verlagen oder intensivierte vorhandene Kooperationen: Verlag Das Arsenal, Transit Verlag, Jaron Verlag, Chr. Links Verlag, alle Berlin, UVK Verlag Konstanz und, die biographischen Bücher als Taschenbücher nachdruckend, der S. Fischer Verlag.

Stellen wir uns Heinz Knobloch im Feuilletonistenhimmel vor: er hätte den Gedanken vielleicht gar nicht so blöd gefunden. Immer wieder einmal hat er Anregungen formuliert, denen er gut und gerne auch selbst hätte folgen können. Aber es machte ihm Spaß, den Ideengeber zu spielen. Das liest sich dann etwa so: „Jemand sollte ein Feuilleton schreiben: Kossak und Baudelaire erkennen sich auf dem Champs-Élysées. Jeder drückt dem anderen das eigene Feuilleton in die Hand.“ Und so weiter. Wer sucht, findet das in „Blättchen für Ernst Kossak“, pur zu haben oder auch als Nachwort zu „Aus dem Papierkorbe eines Journalisten“. Ich finde heute noch schade, dass er nicht auch Daniel Spitzer, den Wiener, aus dem Papierkorb der Literaturgeschichte gezogen hat, wie er es eben mit Ernst Kossak tat, mit Auburtin. Kann man überhaupt von Heinz Knobloch reden, ohne auf Victor Auburtin zu kommen? Schwerlich. Kann man von Heinz Knobloch reden, ohne auf Friedhöfe zu kommen? Schwerlich. Genau deshalb ist es passend, es eben nicht zu tun. Er selbst hat oft genug genau das nicht getan, was alle getan hätten, das nicht gesagt, was alle gesagt hätten. Im Westen hieß dergleichen, als der alte Heinz Knobloch noch ein ziemlich junger Heinz Knobloch war, Nonkonformismus. Vielleicht war sein ausdauerndes Weglassen von Informationen, wo er sie allen Regeln des Journalismus folgend hätte geben müssen, nichts anderes als sein Nonkonformismus.

Stellen wir uns Heinz Knobloch im Feuilletonistenhimmel vor: neben ihm, sie könnten sich ein Wolkenbällchen zuwerfen, eben Victor Auburtin, dem er zweieinhalb Nachworte widmete, das halbe in aller Bescheidenheit. Nicht fern Polgar, Alfred Polgar. Irgendwo in Blickweite natürlich Heinrich Heine, natürlich Adolf Glaßbrenner, den er selten vergaß. Und dann einer, der im Zieleinlauf der großen Vorbilder, der Verehrten aller Zeiten, vielleicht mit Brustbreite zuerst das Band gerissen hätte: Jaroslav Hašek. Kann man, die nächste unabweisliche Frage, über Heinz Knobloch reden, ohne auf Jaroslav Hašek zu kommen? Schwerlich. Weshalb es unterbleibt. Im schon genannten „Blättchen für Ernst Kossak“ kommt Knobloch auf Kossaks Paris-Reise im Jahr 1855 zu sprechen. Er findet in einem Brief an dessen Frau dies: „... aber was ich sah, überwältigte mich fortwährend so, dass ich ganz sprachlos wurde.“ Und kommentiert unschlagbar: „Das ist der Höhepunkt des Staunens für einen Schreiber. Ihm fehlt das Wort.“ Ich überlasse mein letztes dem Jubilar: „Diese Amseln jagen sich Regenwürmer zum Abendbrot und machen das sehr geschickt. Sie legen ein Ohr an die Erde, und wenn sie hören, dass ein Regenwurm mit den Zähnen knirscht oder beim Essen schmatzt, dann holen sie ihn.“ Wer sucht, findet in „Gartenlust und Gartenliebe“. Erschienen im Chemnitzer Verlag (noch einer also) und illustriert vom ewigen Wolfgang Würfel.


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