Walter Hasenclever: Ein besserer Herr

Die Behauptung, Walter Hasenclevers Lustspiel in zwei Teilen „Ein besserer Herr“ sei lebendig wie am ersten Tag geblieben, habe sogar noch an Leben gewonnen, ließe sich mit gewichtigen Zeugen untermauern, nicht vielen, aber immerhin. Das Dumme an diesen Zeugenaussagen: sie sind selbst bereits wieder so heftig in die Jahre gekommen, dass für 2020, also etwa heute, Sonntag, kaum Überzeugungskraft von ihnen ausginge. Und dann ist da dieses Internet mit seinen Suchmaschinen: Gibt man „Ein besserer Herr“ ein, erscheint eine ganze Treffergruppe zu einem Ereignis mit dem Titel „Hartenbreker – Ein besserer Herr“, gekoppelt mit Ohnsorg-Theater und tatsächlich dem Namen Walter Hasenclever. Nun hat der nie im Leben, das von 1890 bis 1940 reichte, ein Werk mit genanntem Titel geschrieben. Es muss sich also um etwas wie eine Mundart-Fassung handeln. Und der „Hartenbreker“ wäre ein Herzensbrecher, im Englischen, welches dem Platten verwandt: ein Heartbreaker. Man kennt es dann sofort: Ich brech die Herzen der stolzesten Fraun, weil ich so stürmisch und so leidenschaftlich bin! Bin wird in diesem gesungenen Fall mit drei n geschrieben. Der erste Tag für dieses Lustspiel aber war der 12. Januar 1927, sein Ort Frankfurt am Main.

Das war ein Mittwoch, damals in den Roaring Twenties gab es mitten in der Woche nicht nur Premieren, sondern sogar Uraufführungen, man denke! Als ob nicht nur eine Premiere am späten Freitag ideal wäre für Kritiker, die das ganze Wochenende Zeit bekämen. Wir schweifen ab. Wir schweifen ab in Zeiten, da es nur ein Portal Nachtkritik gibt, dem Eile etwas gilt, wenngleich oft zum eigenen Nachteil, also dem der Qualität. Damals aber gab es Morgenblätter und Abendblätter, es gab Mittagsausgaben und Sonntagsausgaben, es soll Kritiker gegeben haben, die schrieben einen raschen Schnellschuss und dann noch einmal ausführlicher und das Verrückteste: angeblich wurden diese Kritiken gelesen, angeblich kauften sich Leute Zeitungen, weil dieser oder jener darin schrieb, dessen Ton man mochte, dessen Urteil man teilte und liebte oder eines von beiden. Ja, das war einmal. Und wenn man sich aus jeder Zeit das Beste nehmen könnte, wie Mäxchen Pfiffig sich eine wirklich heile Welt vorstellt, übrigens auch Prof. Dr. Mäxchen Pfiffig, dann möchte ich mir diese Medienvielfalt nehmen als Klötzchen im Baukasten. In Berlin saßen zwei Dutzend Kritiker in einer Reihe, man beobachtete von hinterm Vorhang ihre Mienenspiele. Heute versendet einer an alle Blätter im Umkreis von 200 Kilometern textidentische Produkte und die Theater freut es trotzdem.

Die Uraufführungs-Regie lag in den Händen von Intendant Richard Weichert, das Bühnenbild in denen von Ludwig Sievert, es spielten neben anderen Franz Schneider, Lili Ferrat und Fritz Odemar. Doch erst die Berliner Erstaufführung am Staatstheater, Regie Heinz Hilpert, trat die Erfolgslawine für dieses Lustspiel los: Fast 100 Bühnen nahmen es in ihren Spielplan und 1928 griff auch schon der Film zu. Die Verfilmung „nach Motiven“ gefiel dem, der die Motive geliefert hatte, nicht, er untersagte, seinen Namen im Zusammenhang mit dem Werk zu nennen. Es erlebte seine Uraufführung im jungen Berliner Titania-Palast am 28. August 1928. Am Haus Schlossstraße 4 in Steglitz kann man auf einer weißblauen Berliner Gedenktafel Geschichtsträchtigkeit lesen: „Am 26. Januar 1928 als einer der größten Kinopaläste Berlins mit 2000 Plätzen eingeweiht. Erstes Nachkriegskonzert des Berliner Philharmonischen Orchesters unter Leo Borchard am 26. Mai 1945. Gründungsversammlung der „Freien Universität Berlin“ am 4. Dezember 1948.“ Kritiker Werner Deubel sah die Uraufführung: „Hasenclever schreibt eine reizende Satire auf die Fratze unserer Zeit. Tempo! Tempo! Sachlichkeit, endlich auch im Privatleben! Endlich auch in der Liebe!“ Und: „Diese Dialoge sind famos, knapp, schlagend, witzig, und zum Entzücken hundeschnäutzig“.

So wird es Zeit, etwas zum Spiel zu verraten, das mit insgesamt acht Szenen in zwei Teile gegliedert ist. Es begegnen sich zwei Welten: der Großindustrielle Compaß mit Gattin, Sohn und Tochter, hinzu kommt das Dienstmädchen Aline auf der einen Seite, Herr Möbius mit seinem Angestellten Rasper auf der anderen Seite. Es gibt außerdem einen Herrn von Schmettau, der sich als Detektiv betätigt, und Frau Schnütchen, zu den Frauen im reiferen Alter gehörig, denen Herr Möbius seine spezielle Geschäftstätigkeit widmet. Man könnte sie als Mischung von Hochstapelei, Heiratsschwindel und Gigolo beschreiben. Ein Foto von der Berliner Erstaufführung am 18. März 1927 zeigt deckenhohe Wände voller Aktenordner, ein hohes Pult, an dem der ehemalige Beamte Rasper sitzt und eine Leiter für die oberen Reihen. Auf einem Stuhl sitzt lässig Lia Compaß, die Tochter, neben ihr steht Möbius, der ihr die Geheimnisse seines Tuns und Lassens erklärt. Sie hatte, weil ihr Vater sie verheiratet sehen wollte, ein Inserat aufgegeben, er hatte es gelesen und seine große Chance gewittert. Das Kennenlernen vollzieht sich in einem Park, es kommt beinahe zu einem Duell (mit Fäusten) und am Ende, es ist ein Lustspiel, geht alles gut aus und zwar für alle.

Im Aachener Ausstellungs-Katalog von 1990 „Walter Hasenclever 1890 – 1940“ heißt es erklärend: „Diese Komödie wurde das Erfolgsstück Hasenclevers in den zwanziger Jahren und ist bis heute sein meistaufgeführtes Stück. Dabei wurde und wird sie häufig als oberflächliches Unterhaltungstheater missverstanden. Hasenclever, der hier zwar sein Publikum in erster Linie unterhalten will, verzichtet doch nicht ganz auf eine ernste kulturkritische Dimension.“ Zweierlei sollte man in den Blick auf das Spiel einbeziehen, wenn man nicht die Irre gehen will. Zum einen wären da Hasenclevers eigene Aussagen zu seiner Neuorientierung im Theater. Er hat nach einer längeren Pause, zu der ihm sein Freund Kurth Pinthus riet, in der er sich nahezu ausschließlich mit dem Mystiker Emanuel Swedenborg beschäftigte - er übersetzte Schriften von ihm und verfasste ein umfangreiches Nachwort zu seiner dann publizierten Swedenborg-Ausgabe - seine expressionistische und seine politische Vergangenheit gleich mit komplett verabschiedet. Was einen sehr bekannten Kritiker außerhalb Deutschlands, den Lenin-Vertrauten und Volkskommissar der jungen Sowjet-Regierung, Anatoli Lunatscharski, in leichte Verlegenheiten brachte im Jahre 1928.

Lunatscharski hatte einst Hasenclevers vielleicht am häufigsten genanntes und zitiertes Gedicht „Der politische Dichter“ ins Russische übertragen und las nun „Ein besserer Herr“, von dem 1928 bereits mehrere russische Übersetzungen vorlagen, von denen mindestens zwei verschiedene dann auch für Aufführungen auf Moskauer Bühnen benutzt wurden. Liest man, was Lunatscharski schrieb, dann kommt man bisweilen auf den Gedanken, der Russe müsse eine sehr schlechte Übersetzung in den Händen gehabt haben oder aber vieles missverstanden. Oder als hätte er die alte Proudhon-Weisheit, Eigentum sei Diebstahl, zu sehr verinnerlicht, als dass sein marxistisch-leninistisches Basiswissen es hätte korrigieren können. Wer es nachvollziehen möchte, mag nach dem Buch „Die Revolution und die Kunst“ aus der wunderbaren Reihe der „Fundus-Bücher“ des VEB Verlag der Kunst Dresden suchen, es war Band 6, und erschien in mindestens zwei Auflagen. Hinzu kommt: der hohe Sowjet-Funktionär nutzte seinen Hasenclever gleich als Lehrmaterial über die Verderbtheit Europas, mit Deutschland allein hielt er sich nicht erst lange auf. Immerhin aber überlegte er, ob das Hinzufügen einer Figur dem Stück vor sowjetischem Publikum helfen könnte.

Ein deutsches Lustspiel, in dem ein Heiratsschwindler sich in eine 19 Jahre alte Millionärstochter verliebt, die vorher in der Ehe eine rein sachliche, von Gefühlen entfernt zu haltende Angelegenheit sieht und dem Vater keinerlei Schwierigkeit dabei macht, wenn der für sie entscheidet, was ganze Reihen von tragischen Dramen scheinbar spielerisch zurücknimmt, ist als General- und Pauschal-Aussage über Europa, seine Moral der „Leichtigkeit“, seine prinzipielle Prinzipienlosigkeit, wie das Lunatscharski gern gesehen hätte, nicht ohne weiteres zu gebrauchen. Hasenclever bricht keinen Stab über etwas, weder sein Land, noch das System, das in seinem Land herrscht und in vielem natürlich jedem anderen europäischen kapitalistischen Land gleicht. Hasenclever erzählt eine Geschichte. Er erzählt sie sehr bühnengemäß. „Er höhnt mit lindem Spott ebenso das Geklingel modischer Schlagworte wie die Aufgeblasenheit gewisser Richtungen. Er tut es mit einer beschwingten Grazie, dank der sein Witz niemals spitz und niemals stumpf wird.“ Schrieb der Kritiker Felix Hollaender, der in Berlin im Staatstheater saß. Dort saß auch Max Herrmann-Neiße, und sah alles „mit der alten ehrlichen Schlussapotheose, dass die Richtigen sich doch kriegen.“

Nein, Klassenkampf tobt nicht auf Walter Hasenclevers Lustspielbühne, dafür aber gibt es flotte Dialoge, es gibt pfiffige junge Leute, Schlagfertigkeit, Humor natürlich, was wäre ein Lustspiel ohne ihn und doch gibt es humorlose in ganzen Reihen in deutschen Theaterbibliotheken. Sohn Harry informiert gleich zu Beginn Tochter Lia (bei Lunatscharski aus unerfindlichen Gründen Lea), dass der Vater sich ein Verhältnis zugelegt habe. An dieser Stelle überwältigt gemeinhin Mitleid mit der betrogenen Mutter gute Söhne und noch bessere Töchter. Hier aber überlegen beide gemeinsam, ob es nicht gut wäre, wenn die noch propere Mama sich auch ein Verhältnis zulegte. Hier hängen an den Wänden nicht Ibsen und Strindberg, sondern Moliere und Courteline, was auch damit zusammen hängt, dass Hasenclever Ende 1924 einen festen Job als Korrespondent in Paris antrat und den bis 1928 fleißig und zuverlässig ausfüllte. Zwei feine Bände der Werk-Ausgabe versammeln diese Pariser Texte, genussvoll zu lesen und jederzeit unterbrechbar wie fortsetzbar, was man von Romanen aller Couleur eben nicht sagen kann. Allein die Dispositionen, die der Vater für seine neue Geliebte trifft, würden ganze MeToo-Geschwader auf jede nahe Barrikade treiben.

Einer, der eine Inszenierung im Berliner Schlosspark-Theater sah, heute bei Hallervorden & Co. in besten Händen, war Friedrich Luft. „Manche Stücke gewinnen durch Ablagerung, Patina bekommt ihnen.“ Schrieb er und wusste auch, woran das lag: „Die Technik ist übernommen. Aber die Schärfe der Satire ist gemäßigt und gefällig abgestumpft. Warum herrschen trotzdem Jubel und Trubel bei Ansicht dieses flott dahinmarschierenden Lustspiels? Weil die Zeit inzwischen eine Dimension dazugetan hat. Die Distanz macht so lustig.“ Und er erlebte einen Herrn Möbius, wie er wohl auch in hundert Inszenierungen nicht oft zu erleben ist: Martin Held spielte ihn und Friedrich Luft schwelgte: „Dieser Schauspieler ist eine Wonne. Sobald er die Bühne betritt, scheint die Szene wie mit Elektrizität geladen. … Er hat eine Art, ganz in der Gestalt zu sein und trotzdem eine vorzeigende Distanz von ihr einzuhalten. … Als habe er einen Motor verschluckt, treibt er sicher und planend die Handlung weiter. … Immer aufgedreht, niemals überdreht, immer treibend, niemals übertreibend. … Hier ist uns ein großer Schauspieler herangewachsen, dem zuzusehen und zuzuhören eine der Lustbarkeiten im zeitgenössischen Parkett bedeutet.“ Viel später war Martin Held ein alter Goethe, den Lily Palmer besuchte, die Generation Rollator wird sich erinnern.

Und eine der schönsten Kritiker-Anekdoten, die ich kenne, ist mit „Ein besserer Herr“ verbunden, und zwar mit der Uraufführung in Frankfurt am Main. Ludwig Marcuse, den man nicht unbedingt zuerst mit Theaterkritik in Verbindung bringt, erlebte die Aufführung und aß anschließend gegen seine Gewohnheiten mit Autor, Regisseur und Darstellern zu Abend. „Ich war hochbefriedigt von allem, was – nach dem Schlussvorhang geschah. Was hingegen das Präludium, die Aufführung betraf, es war weniger prächtig gewesen. Das wusste ich noch nicht beim Souper; das kam erst heraus, als die Tinte sich langsam über das Papier verbreitete. Was ich von einem Theater-Abend hielt, erfuhr ich immer erst, wenn ich’s bei mir las. Deshalb gab ich oft, in der Pause, Urteile ab, zu denen ich nicht stehen konnte.“ Nach Erscheinen der Kritik bekommt er einen Anruf: „Ich sagte, ein Widerruf meiner Kritik könne nicht vor morgen Mittag erscheinen. Elias: essen Sie mit uns und sagen Sie ihm, dass Sie ihn lieb haben. Das sagte ich dann und es war die volle Wahrheit. Und als Elias beim Verbrüderungs-Essen weinte, weinten wir auch ein bisschen. Und ich bekam alles, was der liebe Gastgeber für mich speziell bestellt hatte: Linsensuppe mit Speck und Kartoffel-Puffer danach; die waren allerdings nicht dünn und knusprig genug. Ich war dennoch sehr gerührt.“

Mit Elias ist Julius Elias gemeint, er war es, der anrief, er „teilte mir mit, dass der Dichter in Enttäuschung schwer darniederläge – und ich wäre doch so lustig gewesen, gestern abend. Ich sagte: ich schon – aber das Stück nicht.“ Da hatte dann doch die Berliner Inszenierung ein anderes Kaliber, dort war Paul Bildt der Herr Möbius. Max Hermann-Neiße sah „einen aktuellen Angriffsschwank“. „Auch dieses Stück setzte Heinz Hilpert, diesmal im Staatstheater, genügend schnellfüßig und farbig in Szene, Paul Bildt machte aus dem gewerbsmäßigen Allerweltlieber und imaginären Frauentröster wieder einen nicht zu vergessenden, überzeugenden Menschen, Maria Paudler, Mathilde Sussin, Elsa Wagner, Florath, Harlan waren die weiteren Gewinne des sympathischen Abends.“ Ja, gemeint war der später berüchtigte Veit Harlan. Der mit „Jud Süß“. Louis Compaß sagt zu seiner Frau: „Maria, dein Wortschatz ist veraltet. Wir sind fünfzig Jahre weiter. Wir haben keine Zeit mehr, unglücklich zu sein.“ Und für alle vernehmlich: „Die Hochzeit ist eine Gründung, die Ehe eine Firma und das ganze Leben ein Kontobuch.“ Herr Möbius lobt sein Archiv: „Man sammelt die Zeichnungen der Irren und stöbert in Goethes Liebesleben herum. Die Liebesbriefe dieser Frauen sind mindestens so interessant.“ Heute ein Schatz für Soziologen?

„Haben Sie mal in die Herzen derer hineingesehen, die nach Feierabend allein in ihrem Zimmer sitzen? Was macht so ein armer Teufel in diesem trostlosen Jahrhundert?“ Auch das fragt Möbius und ob es die Prise Kulturkritik im Lustspiel ist, wie einer fand, will ich gar nicht erst in Frage stellen, denn das Spiel verlöre kaum ohne diese Selbstrechtfertigung eines notorischen Täters. Es gewinnt aber in solchen knappen Dialogen: Lia: „Was werden Sie nun machen?“ Möbius: „Was alle Schwindler gemacht haben. Ich schreibe meine Memoiren.“ Auf die Idee ließ auch Thomas Mann einen kommen, seinen Felix Krull. Und Walter Hasenclever hatte die kleine Süffisanz, mehrfach den Namen seines Freundes Pinthus ins Spiel zu bauen, der beim Bankhaus Sternheim anrufen sollte. Es wird alle amüsiert haben, Kurt Pinthus wohl mehr als Carl Sternheim. Und ich amüsiere mich, wenn ich lese: „Man hat eine falsche Vorstellung von fremden Ländern. Wenn man hinkommt, sieht alles ganz anders aus.“ Auch das sagt Möbius, der sich als Afrika-Experte ausgab und besonders von Sansibar fabelte. Ich bin mit Sansibar-Erzählungen aufgewachsen und so findet alles einfache Erklärungen: Vorlieben, Nachlieben und natürlich auch die beliebten Antipathien.

Zum Ende des Spiels beruft Möbius in den Räumen seines künftigen Schwiegervaters eine Art von Generalversammlung all seiner Gläubigerinnen ein, köstlich alles und dann ruft er voller Schwung: „Ich scheide von euch mit dem Wort des Dichters: „Der Menschheit Würde ist in eure Hand gegeben. Bewahret sie!“ Gehen wir einmal optimistisch davon aus, dass außer mir noch zwei bis neun Leser dieser Zeilen sofort wissen, woher das kommt: aus dem Zitatensteinbruch Friedrich Schiller, dem Gedicht „Die Künstler“ genauer genommen. Das muss man dann aber schon nicht mehr wissen. Schiller-Anspielungen bei Walter Hasenclever wären ein Hausarbeitsthema für nachwachsende Philologie-Rohlinge. Warum aber, ein Ende zu finden, heute ausgerechnet „Ein besserer Herr“? Die Antwort: Am 21. Juni 1940, keine Woche nach Ernst Weiß, nahm sich auch Walter Hasenclever das Leben im französischen Exil, keine zwei Wochen später folgte Carl Einstein. An seine Frau schrieb Hasenclever einen Abschiedsbrief: „Ich kann und will nicht mehr leben. Du wirst es verstehen.“ Verstanden hat auch Ludwig Marcuse. „Es gibt den Selbstmord aus Wut, welcher der Ohnmacht entspringt; der Machtlose kann an keinen Gegner heran als an sich selbst.“ In „Nachruf auf Ludwig Marcuse“ steht das, dem zweiten Teil seiner Autobiographie.


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