Karlheinz Deschner schmäht Heinrich Böll

Gut vorstellbar, dass ein Leser, der 1964 sehen wollte, was dieser wilde Franke da gegen die Säulenheiligen der deutschen Gegenwartsliteratur vorzutragen hatte, schon am ersten Kapitel über Heinrich Böll verzweifelte. Und zwar nicht etwa, weil Karl Heinrich Leopold Deschner, der sich zum Karlheinz machte, seinen Blick selbstverständlich nur auf die westliche deutsche Literatur richtete, sondern weil er seine Leser mit einer derartigen Fülle vollkommen ungebräuchlicher Fach- und Fremdwörter drangsalierte, dass diese in einem Lesesaal mit Nachschlagewerken aller Art hätten sitzen müssen, um halbwegs zu ahnen, was der Streiter da eigentlich wollte. Im Zeitalter des Internets ist es immer noch einigermaßen mühselig, Wort für Wort durch die Suchmaschinen zu treiben, am Ende ist man aber schlauer und hat, wie ich, unter Umständen sogar erfrischende Nebenwirkungen. Denn als ich wissen wollte, was möglicherweise eine „aride Prosa“ sein könnte, verweigerte mir GOOGLE zwar eine brauchbare Auskunft, führte mich aber zu einem Artikel aus der Hamburger Wochenzeitung DIE ZEIT und damit zur ersten mir bekannt werdenden Kritik des merkwürdigen Deschner-Buches „Talente Dichter Dilettanten“, das den Untertitel „Überschätzte und unterschätzte Werke in der deutschen Literatur der Gegenwart“ trägt, Autor Walter Widmer.

Der Schweizer Widmer (3. April 1903 – 18. Juni 1965), Vater von Urs Widmer (21. Mai 1938 – 2. April 2014) stieß sich in der Ausgabe 49/1964 just an dieser Unerträglichkeit, die man natürlich auch dem Verlag ankreiden muss, es war der Limes Verlag Wiesbaden, der das Buch in seiner Reihe „Limes Nova“ herausbrachte. Ein Verlag, der ein Buch verkaufen will, sollte sich nie darauf einlassen, dessen Verkäuflichkeit dadurch einzuschränken, dass er eine leserfeindliche Sprache seiner Autoren toleriert. Karlheinz Deschner schreibt leserfeindlich, weil auch dort, wo seine Lexik verständlich ist, nervende Penetranz vorherrscht. Ich greife aus seinem Beitrag zu Heinrich Bölls Roman „Billard um halb zehn“, auf den ich mich ausschließlich beziehe, einfach eine Reihe des Kopfstoß-Vokabulars heraus, mit dem er operiert. Da ist Böll ein „diegetisches“ Talent, er arbeitet mit Euphuismen, Iterationen, „asthenischen Formen“, bietet eine literarische „Chrysographie“. Deschner findet im Roman eine „Ubiquität des Lasters“, szenischen „Achromatismus“, eine „Exsikkation“ des Stils, Fulgenz, „circutiöse Soliloquien“, sterile „Enumeration“, ein Senior ist „loquax“, eine Seniorin „imbezil“, er begegnet Apokope, Phebus, Betisen, und „klaudikanten“ Vergleichen. Hier verweigerte GOOGLE jegliche Auskunft, allein das Suchen macht aggressiv.

So weit, so schlecht. 44 Jahre nach dem Limes-Band publizierte der Freiburger Rombach Verlag 24 Aufsätze Deschners zur Literaturkritik unter dem Titel „Poeten und Schaumschläger“. Ulrich Greiner, mehr als zehn Jahre verantwortlicher Redakteur im Ressort Literatur der ZEIT, eröffnete seine am 3. Juli 2008 gedrückte Kurzkritik mit dem tiefe Wahrheit enthaltenden Satz: „Wer sich gerne ärgert, sollte Deschner lesen.“ Greiner endet mit: „Es ist ärgerlich, wie ungerecht Deschner oft ist. Und sehr erhellend.“ Was man so oder so deuten kann. Mit seinem Überfall auf Böll mag Deschner dennoch manch stillen Beifall eingeheimst haben, Eckhard Henscheid hat sich sogar ausdrücklich auf ihn berufen in seiner eigenen Haudraufsicht auf Böll. Der Opernfreund und Dummdeutsch-Spezialist hat sich freilich mit dem, was er kann, auch keinen Freibrief für alles, was er nicht kann, erworben. Es macht, ich gebe es zu, sehr oft sehr großen Spaß, seine Sottisen zu lesen, um die aber geht es hier nicht. Seine Luise-Rinser-Vernichtungen haben Lesebuch-Reife. Der neue Band übernimmt drei Beiträge des alten: den zu Böll und die zu Hans Magnus Enzensberger und Max Frisch. Man muss also das Buch nicht kaufen, wenn man das alte besitzt und vielleicht auch die erfolgreiche Streitschrift „Kitsch, Konvention und Kunst“ (List-Bücher 93, zuerst 1957).

Deschner hat seinem Buch ein Vorwort vorangestellt, in dem er gleich mit den ersten Sätzen schwerstens auf die Pauke haut: „Es gibt keine bedeutende zeitgenössische deutsche Literatur. Wir haben weder einen großen Epiker, noch einen großen Lyriker, noch einen großen Dramatiker. Wir haben aber eine riesengroße Propagandamaschine, das ist die Gruppe 47. Sie suggeriert aller Welt, was gar nicht existiert.“ Das muss man lesen, wie es gemeint ist: Hier will einer die Provokation. Hier glaubt einer, das Pinkeln an die Eiche ehrt den Mops. Hier hat einer ein Feindbild: sechsmal auf drei Seiten steht „Gruppe 47“. Hier hat einer aber auch eine einigermaßen seltsame Vorstellung davon, was Literaturkritik sein sollte: „Ich gehe vom Nächstliegenden aus und vom Wichtigsten, von der Sprache. Denn jede Literaturkritik muss zuerst Kritik an der Sprache sein, gründliche vokabuläre, syntaktische, grammatische, logische Kritik, genaue Analyse der Wortwahl, Bilder Gleichnisse und Redefiguren.“ Das klingt besser als es ist. Walter Widmer, der vermutlich gar nicht alle 380 Seiten gelesen hat, macht es schlagend an Max Frisch deutlich. Deschner hat nicht die geringste Ahnung, was schweizerdeutsche Eigenart ist. Er fragt: „Aber warum sollte das Werk eines Belletristen, der miserabel schreibt, noch unter anderen Aspekten interessieren?“ Ja, warum wohl?

Ob sich irgendjemand seit dem Erscheinen der ersten kirchenkritischen Bücher Deschners bis hin zu seiner am Ende zehnbändigen „Kriminalgeschichte des Christentums“ je für die Sprache in diesen Büchern interessierte (allenfalls negativ) oder ob es nicht vielmehr um die Institution Kirche ging, die der Autor seltsamer- oder auffallenderweise zu attackieren begann, nachdem der Bischof von Bamberg ihn und seine Frau öffentlich exkommuniziert hatte? Deschner hat eine geschiedene Frau geheiratet, was nur unter Katholiken und nur in bestimmten Gegenden für Furore sorgt, den Weltlauf beeindruckt das gar nicht. Dass einer fortan aber sein höchstes Lebensziel im Stillen des Hasses auf die Kirche, speziell die katholische, sah und dies auch öffentlich bekannte, das geht auf Inhalt, nicht auf Sprache. „Versagt er in der Sprache, im Stil, versagt er in dem Material, mit dem er doch fortwährend arbeitet, mag ihn die katholische Kirche noch ernst nehmen oder die kommunistische Partei, ich nicht.“ Das ist seine freie Entscheidung, die freilich nicht direkt für seine Intelligenz spricht, zumal der Begriff des Versagens ein arg verschwimmender ist. Schneidet ein holpernder Blankvers neben einem Alexandriner auf Stelzen besser oder schlechter ab, welcher von beiden disqualifiziert seinen Verfasser? Walter Widmer knapp: „Welch grauenhafter Quatsch!“

Gegen Bölls 1959 zuerst erschienenen Roman „Billard um halb zehn“ führt Karlheinz Deschner mit fünf Jahren Verspätung einen Vernichtungsschlag, inzwischen ist sogar schon „Ansichten eines Clowns“ erschienen und manches mehr. Noch 1959 lautete übrigens eine Titelzeile in der ZEIT zum neuen Böll-Roman: „Falsche Vorbilder, falsche Ambitionen beeinträchtigen auch den besten Erzähler“. Und wie viel schlimmer muss es da schlechteren Erzählern ergehen, möchte man ergänzen. Originell ist Deschner also schon einmal nicht, auch wenn er gleich mehreren Kritikern ihre Blindheit und Ahnungslosigkeit bescheinigen möchte. Er hat seinem Text (wie den anderen im Buch jeweils auch) Stimmen der Kritik vorangestellt und es mag als bezeichnend anzusehen sein, dass der Schweizer Widmer sich gegen die Art verwahrt, wie Deschner Sätze von ihm über Ernst Kreuder verarbeitet, keineswegs etwa einfach sauber wiedergibt. Widmer ist auch zu Böll zitiert, dazu kommen Joachim Kaiser, Friedrich Rasche, Marcel Reich-Ranicki, Günter Blöcker, Karl August Horst und Karl Heinz Kramberg, es fiele schwer, diese Reihe pauschal den Inkompetenten zuzuschlagen, im Gegenteil. Aus der Reihe fiele Deschner selbst, weil schon seine Grundsätze arg fragwürdig waren. Er dekretiert, Böll sei „beliebt bei Katholiken, Protestanten und Kommunisten.“

Hitler und Stalin liebten verbotene Filme. Sprach das gegen die Filme, gegen die Diktatoren oder gegen beide? Es ist noch immer ein ratsames Verfahren, eigene Gedanken halbwegs zu Ende zu denken. Deschner brachte es auf diesem Gebiet nicht auf Medaillenplätze. Wieder Walter Widmer heranzuziehen: Deschner lobe bei Ernst Kreuder, was er Böll ankreide: Bezug zu William Faulkner, der bei Böll fast wie eine Straftat gesehen wird: „... eine Methode, die frappierend William Faulkner handhabte, dessen Einfluss Böll meines Wissens zugegeben hat.“ Wieso zugegeben? Steht Böll vor einem Richter und in Gefahr uneidlicher Falschaussagen? Noch ehe der Kritiker aber zur Sprache kommt, kommt er zu Inhalt und Handlung des Romans, so bereits die eigene Vorwort-Behauptung ad absurdum führend. Denn mit Sprachkritik kommt Deschner ja der Kirche nicht bei, der aber gilt der Hauptschlag. „Billard um halb zehn“, schreibt er, „ist also ein ausgesprochener Zeitroman, das heißt ein Werk, von dem man ein möglichst vollständiges Bild der geschilderten Epoche erwarten darf.“ In welcher Frisörsalon-Illustrierten wird er wohl dieses Verständnis des Zeitromans gefunden haben? Man muss die Mammutprojekte der jüngeren Literaturgeschichte nicht aufzählen, die noch mit zwanzig und mehr Bänden (Balzac, Zola) gerade an vollständigen Epochenbildern scheiterten.

„Billard um halb zehn“ ist natürlich von verschiedenen Kritikern verschieden gewertet worden. Die Geschichte der Familie Fähmel und der Abtei Sankt Anton wird über drei Generation in Rückblicken vom 6. September 1958 her erzählt, am Ende gibt es einen Fall von Mord, der Aufsehen erregte, weil die Tat eine alte Dame beging und irgendwie in Richtung der Stellvertreter-Morde der Roten Armee Fraktion wies, obwohl an die 1959 natürlich nicht nicht zu denken war. Elisabeth Endres (13. Juni 1934 – 22. Januar 2000), als Germanistin vor allem mit ihrem 1980 zuerst erschienenen Buch „Die Literatur der Adenauerzeit“ bekannt geworden, das als Taschenbuch bei dtv noch Nachauflagen erlebte, schrieb beispielsweise: „So gibt es zur Zerstörung von Sankt Anton ein doppeltes Motiv: Robert Fähmel protestiert gegen die kultivierten Anständigen, die verraten haben; er protestiert gegen die Objekte, die ihnen das Gefühl von Kultur verliehen und die man für wertvoller erachtete als die Opfer der Verräter.“ Was Böll zum Protest herausforderte, ist eben jetzt von gar nicht zufälliger Aktualität. Der Jahrestag des Amri-Attentats an der Berliner Gedächtniskirche bringt alte Männer vors Mikrofon einer Dokumentation, die betroffen sagen, sie verstünden nicht, wie man Kirchen bombardieren konnte. Kein Wort zu bombardierten Menschen.

Halb Deutschland weint sich die Augen aus, wenn irgendwo ein Weltkulturerbe zerstört wird. Es zu retten, wird schon nicht mehr ernsthaft und bis zur einzig möglichen Konsequenz diskutiert. Von den Tausenden Toten täglich redet niemand mehr. Die nächstliegende Erklärung ist mehr als zynisch: Menschen wachsen massenhaft nach, Kulturerbe nicht. Heinrich Böll ahnte das Dilemma wenigstens, so sah es jedenfalls Elisabeth Endres. Nun steht die Frage etwas bedrohlicher, ob denn, was Heinrich Böll in seinem Roman erzählt, wirklich keinerlei Interesse verdient, weil er es mit den sprachlichen Defiziten erzählt, die Karlheinz Deschner in einer deprimierend umfangreichen Zitatenfolge dokumentiert. Nicht alles, was er ankreidet, verdient den roten Oberlehrer-Stift, aber viel zu viel. Das wiederum geht gegen Böll wie gegen seinen Verlag, über den Deschner natürlich kein Wort verliert. Wozu haben (oder hatten früher) Verlage Lektoren? Die müssen ihren Autoren nicht jeden Stilzug ausreden, den die für originell halten, groben Sprachschnitzern aber sollten sie sehr energisch zu Leibe rücken. Von einem der neueren Überväter der amerikanischen Short Story, von Raymond Carver, wissen wir inzwischen, dass der gar nicht schrieb, wie er schrieb, all seine Schule machenden Eigenarten trug sein Lektor hinein in seine erst dadurch so tollen Geschichten.

Karlheinz Deschner wirft Heinrich Böll vor, die katholische Kirche nicht so fundamental kritisiert zu haben und zu kritisieren, wie Karlheinz Deschner es für richtig hält. Das macht ihn jenen Kommunisten verblüffend ähnlich, mit denen er nichts zu tun haben will, denn auch die kritisierten Autoren bevorzugt deshalb, weil sie die Welt nicht mit den Augen von Marx, Engels und Lenin sowie dem jeweils letzten Plenum des jeweiligen Zentralkomitees sahen. Deschner vertritt in diesem Fall Klassiker und Partei in einer Person. „Konzeptionell ist „Billard um halb zehn“ eine eintönig typisierende, die geschichtliche Realität stark verzerrende Konstruktion.“ „Dieses Jahrhundert, hektisch, entsetzenerregend, chaotisch, erscheint in Bölls Buch theoretisch blass, schablonenhaft, starr. Der szenische Achromatismus ist ermüdend.“ (Der Satz geht bei Deschner noch weiter.) Der Kritiker Deschner, der sich nach seinem Abitur 1942 mitten im Entsetzen des Jahrhunderts freiwillig zur Hitler-Armee meldete und ein begeisterter Fallschirmjäger wurde, hält Hermann Brochs „Die Schlafwandler“ dagegen: „Fast jede Seite ist bedeutender als Bölls ganzer Roman.“ Was möglicherweise für Broch spricht, spricht leider nicht automatisch gegen Böll. Das zu erkennen, müsste Deschner freilich seine eigenen Sätze zu Ende denken, er kann es leider nicht.

„Das größte Manko des Romans aber ist seine Sprache. Unter den rund zehntausend Zeilen sind auch nicht zehn von dichterischem Wert.“ Es kommt, denken wir kurz an Rolf Hochhuths „Der Stellvertreter“, an „Die Ermittlung“ von Peter Weiss, bisweilen so unverschämt wenig auf dichterische Sätze an, dass man rabiat werden könnte, stünde einem der Zeilenzähler leibhaftig vor Augen. Dass er Hochhuth auch unter die Schaumschläger zählt, versteht sich. „Sein Roman aber spiegelt kein Leben, weil er ohne stilistischen Eigengehalt ist, ohne Fulgenz und Faszination; eine gewiss meist korrekte, oft spürbar zurechtgebosselte, sozusagen artialisierte Diktion, die aber über eine ziemlich seichte, kleingeistig jejune Eloquenz selten hinausgeht: circutiöse Soliloquien, monotone Paraphrasen, soignierter Schmus, ausgelaugte Lokutionen, negligeantes Wiederholen ...“ und so weiter und so fort. Man muss solchen Brachial-Auswurf zusammenhängend zitieren, um ihn für sich sprechen zu lassen. Auch Walter Widmer griff sich 1964 diese Stelle als besonders abstoßendes Beispiel heraus (man findet sie auf den Seiten 28/29 bei Deschner, wer nachlesen möchte). Man könnte hier abbrechen. Wird dann aber überrascht: „Besonders häufig wiederholt Böll farblose Hilfszeitwörter, was die Monotonie seiner ohnehin anämischen Prosa noch erhöht.“

Hätte er wenigstens Auxiliarverb geschrieben, der Gute, der in Hassfurt starb, solche Geschichten schreibt die Geschichte, nicht etwa in Liebenwerda, aber er schrieb Hilfszeitwort. Das nennen wir natürlich nicht Konsequenz. Um sich nicht lumpen zu lassen, zitiert Deschner eine Böll-Stelle, die ihm als „schöner und gültiger Vergleich“ vorkommt: „... immer wieder griffen die Stimmen der Arbeiterinnen wie Schöpfräder ins ewig gleiche Wasser.“ Von Heraklit, panta rhei und dergleichen mehr hat Deschner natürlich nie gehört. Einen schönen Vergleich mag man das nennen, was daran aber wäre gültig? Gültig wie ein Pass, gültig wie eine noch nicht gestempelte Briefmarke? Eine Seite später fügt der Kritiker vor dem Herrn dem zitierten Wort „Dämmer“ in Klammern allen Ernstes eine Erklärung hinzu: (= dichterisch für Dämmerung). Schrieb ich nicht oben von Frisörsalon-Illustrierten? Das war vielleicht weniger an Haaren herbeigezogen, als Skeptiker meinen könnten. Fragten nicht zu Zeiten Kreuzworträtsel nach einem Wort mit drei Buchstaben: dichterisch für Adler? Ist das etwa die Ebene des bedeutenden Kirchenkritikers, der 2008 sein Buch mit dem Nachdruck der uralten Böll-Schlachtung vom Redakteur des Periodikums loben lässt, dessen Mitherausgeber er selbst ist, es heißt „Aufklärung und Kritik“, der Lobende Helmut Walther?

Karlheinz Deschner zieht natürlich auch ein Fazit: „Doch auch wenn die Diktion dieses Romans keinerlei Mängel komplektierte, keine Schludereien, keine klaudikanten Vergleiche und schiefen Metaphern, kein falsches Pathos, keine Rührseligkeit, keinen Kitsch … selbst dann wäre das Buch, inhaltlich und formal, gemessen an hoher Literatur, völlig belanglos. Denn sein gedankliches Niveau ist subaltern und seine Sprache debil.“ Und hat, so etwas unterläuft einem, wenn man mit Schaum vorm Großhirn schreibt, sich und sein Buch auch gleich selbst noch charakterisiert, dabei nur Böll meinend, nichts als Böll: „Bloße Kumulation von Ähnlichem. Der Autor hat nichts zu sagen und will durch ein Konglomerat von Analogem den Effekt forcieren“. Das Schicksal seines Buches hat er schon am Ende des Vorwortes in stiller Vorfreude so formuliert: „Dieses Buch wird man totschweigen, das einfachste, erprobteste Mittel. Und man wird es diffamieren. Ich vertraue auf den kritischen Leser.“ Als Karlheinz Deschner wenige Wochen vor seinem 90. Geburtstag starb, hatte er neben allerlei Preisen auch eine andere Genugtuung: Die Gruppe 47 war lange vor ihm gestorben. Dass von Böll auch nur noch anlässlich runder Jubiläen die Rede ist bis heute, hat kaum mit Deschner zu tun, dessen Namen auch die dickste Böll-Biographie nicht mal erwähnt.


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